Ja, ich spinne. Das höre ich sehr oft, aber eher in einem anderen Zusammenhang *gg*. Nun darf ich es mit Zertifikat und Urkunde.
Im Sommer hatte ich mir ein Spinnrad zugelegt. Jedoch hatte ich überhaupt keine Ahnung wie man Stroh zu Gold äh Rohwolle zu Wolle verspinnt. So recht habe ich mich auch nicht alleine getraut, das ganze in Angriff zu nehmen.
Zu meinen Burzeltag bekam ich von Vicky einen Kurs geschenkt. Ein Spinnkurs in einem der 10 größten und schönsten Freilichtmuseen Europas. In Stübing bei Graz. Bis dahin – muss ich zu meiner Schande gestehen – kannte ich es nicht.
Ganz aufgeregt fuhr ich schon Freitag Abend los. Ich musste rund 150 km zurücklegen. Ok, ok.. wegen meinem Orientierungssinn waren es leider ein paar Kilometer mehr geworden. Nach ein paar Stunden *g* war ich dann wohlbehalten in einem sehr netten Gasthof angekommen. So recht weiß ich nicht, ob ich daran Schuld trage, aber nachdem ich versucht habe mein Handy aufzuladen, war im Gasthof der Strom plötzlich weg *lach*. So saß ich erstmal im dunklen Zimmer. Seit ewig langer Zeit habe ich ein wenig fern gesehen und ich muss feststellen, dass ich es NICHT vermisse.
Um ja nicht den Treffpunkt um 8.45 zu verpassen, bin ich schon um 7 Uhr aufgestanden, hab mich frisch gemacht, ordentlich gefrühstückt und gebetet, dass das Auto meiner Mama nicht wieder zickt, so wie den Tag zuvor. Brav ließ es sich starten und um 8.25 stand ich auf dem Parkplatz vor dem Museum.
In der Kassenhalle warteten schon ein paar Frauen und nach und nach trudelte der Rest ein. Die Spinnräder wurden auf einen Traktor verladen und schon mal weggefahren. Nanu, müssen wir denn so weit gehen?
Nachdem alle da waren, ging es los. Wir wanderten vorbei an uralten Bauernhöfen und sonstigen alten Gebäuden. Es ist ein recht eigenartiges Gefühl, wenn man sich vorstellt, dass in diesen Häusern vor vielen Jahren Menschen gelebt haben. Zwar nicht auf diesem Platz, aber in diesen Häusern.
Vorbei ging es an einem Gemischtwarenhandel, dann an einem wunderschönen Kräutergarten. Von dem war ich so richtig begeistert. Mein Herz schlug bei dem Gedanken höher, selbst mal in einem schönen Bauernhof zu wohnen.
Wir überquerten einen kleinen Bach und standen dann vor diesem Haus. Die Türen waren so nieder, dass man sich bücken musste – ok, ich nicht, aber viele Andere *gg*. Dann wurden wir in diesen Raum geleitet. Damit ich nicht friere hab ich mir sofort einen Platz am Kachelofen gesichert. Was eine sehr gute Idee war :)
Der erste Rückschlag ließ leider nicht lange auf sich warten. Mein Spinnrad kann man bestenfalls als Dekorationsgegenstand verwenden. Na toll! Ich durfte dann an einem ganz neuen Spinnrad spinnen und es war herrlich. Die ersten Stunden vergingen wie im Flug. Meter um Meter wurde gesponnen oder auch mal geflucht, wenn es nicht richtig geklappt hat.
Mittags konnten wir uns an einem kleinen Kiosk satt essen und neue Kräfte sammeln.
Warum ich die kleine Pause nicht für ein paar Fotos genützt habe, ist mir ein Rätsel! Das Wetter war so herrlich. Zwar recht kalt, aber die Sonne stand hoch am blauen Himmel.
Nach der Pause ging es dann weiter.
Ich ließ das ganze nach einiger Zeit auf mich wirken.
Die Frau rechts neben mir summte leise Lieder.
Die Spinnräder surrten.
Ein wunderschöner, aber riesiger Hund (ein Landseer) lag mitten im Raum. Dessen Haare werden sogar versponnen.
Der Kachelofen wärmte meinen Rücken.
Die Frau links von mir fluchte immer mehr, weil sie es nicht schaffte gleichzeitig zu treten und zu spinnen. Sie tat mir schon leid.
Die Sonne schien durch die winzigen Fenster.
Die Lichtquelle war mehr als dürftig – meine armen Augen.
Es war so beruhigend. Fernab vom Alltag.
Ich muss gestehen, dass das Spinnen nicht einfach ist, aber nach einigen Übungsstunden sollte man den Dreh heraus haben.
Nun werde ich ein wenig sparen, damit ich mir ein neues und gutes Spinnrad kaufen kann.
Es war ein traumhaft schöner Tag, von dem ich noch sehr lange zehren werde.
